Etappe 13: Refuge de Carozzu - Refuge d'Ortu di u Piobbu

Länge: 8 km
Dauer: 7 Std.
Höhenmeter: h: 850 m, r: 550 m

Letzte Etappe vor dem Abstieg

Tja, der letzte Berg, die letzte Steigung, die letzten Sch....-Granitfelsen...

Wehmut liegt in der Luft, wie wir da über die Granitfelsen schimpfend durch die Gegend wandern. Heute ist es mit den Granitfelsen besonders schlimm, denn es hat mich heute wirklich zur Weissglut gebracht, da bis kurz vor der Refuge nur Granitfelsen zum Klettern waren.

Die Refuge entschädigt jedoch für alle Mühen, denn es liegt in einer Schlucht mit einer Terrasse mit Blick nach Westen. Die Schlucht selbst ist ebenfalls westfallend, so dass wir unser Zelt mit Blick zu Sonnenuntertang bauen und dann, Abends, sitzen wir im Zelt bei uns zu dritt und spielen Karten und beobachten den wunderschönen, letzten GR20-Sonnenuntergang.

Wenn man das Naturschauspiel so sieht, kann man sich gar nicht vorstellen, was "die da draussen in der Welt für einen Mist wieder bauen".

Ja, wir haben die Nachrichten in New York mitbekommen, denn in der Gite d'Etappe in Haut Asco gab es einen Fernseher, auf dem nichts anderes lief, als die New-York Live-Berichterstattung. Uns hat eigentlich weniger die Nachricht als solche, sondern vielmehr die sensationslüsterne Art der Berichterstattung im TF1 schockiert.

Natürlich ist die Nachricht schockierend, aber wie es im Fernsehen in Zeitlupe ausgeschlachtet wurde, war noch schlimmer. Fehlte nur noch, dass ein Sprecher sagte: "Schauen wir uns den Sprung der Dame aus dem 80. Stock noch mal in Zeitlupe aus einer anderen Perspektive an!"

Wir sitzen hier auf der Terrasse der Refuge Ortu di u Piobbu und trinken unseren letzten Tee auf dem GR20.

Wir haben es geschafft, gleich beginnt der Abstieg, wir haben dann 175Km Strecke und über 10.000 Höhenmeter geschafft. Eine Strapaze und eine Erholung für Geist und Körper.

Nette Menschen haben wir getroffen, auch weniger nette, profitgierige Refuge-Hüter und auch gro▀herzige mit einer harten Schale, Steine, Lorioco-Kiefern, Quellwasser, in der Nacht mit anfänglich wildfremden Menschen bei Kerzenlicht in Bierdosen Wein getrunken, Sturm, Hagel, Regen, Nebel, Wind, ... es fehlte eigentlich nur noch Schnee!

Wir haben es gleich geschafft und haben ein wenig mehr zu uns gefunden? Zueinandern? Wer weiss...

Auf jeden Fall wünschen wir uns eine friedliche Welt, wenn wir von "unseren" Bergen runtersteigen in die Zivilisation.


Alle Bilder des Tages / All pictures of the day


Korsika, den 13. September 2001

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