Etappe 10: Refuge de Manganu - Refuge de Ciottulu di i Mori

Länge: 22 km
Dauer: 9 Std.
Höhenmeter: h: 1.000 m, r: 600 m

Ein angenehmer Tag vor dem "Cirque de la Solitude morgen

Heute ging es nach einem guten Frühstück gegen 9 Uhr los. Eigentlich wr die gesamte Strecke sehr angenehm. Kurz vor der Hütte "Ciottulu die Mori" haben wir eine Abkürzung quer durch das Golo-Tal zum Bocca die Foggiale genommen.

Von dort ging es in einem anstrengenden Abstieg runter in die Lorioco-Kiefern-Wälder. Der Abstieg ist als Aufstieg in unserem Buch als "bequem" bezeichnet. Aber von bequem kann bei Leibe nicht die Rede sein. Es ist eines der härtesten und wir waren froh, dass wir diese Felsen nicht als Anstieg hatten.

Quer durch die Wälder ging es dann bis zur "Bergeries u Vallone", die jetzt von zwei Korsen als Herberge betrieben werden. Wenn man vom Norden kommt, sollte man ruhig an der Tighiettu-Hütte vorbei zur Bergerie gehen, denn es sind nur 30 Minuten runter. Man kann dort für FFR20 zelten und hervorragend essen. Wir haben statt essen nur eine zwei Milch und ein Bier getrunken und uns an den Anstieg gemacht.

Die Tighiettu-Hütte

In unserem Buch steht viel falsches bzgl. der heutigen Etappe. Unter anderem auch, dass es an der Hütte Tighiettu nichts zu kaufen gibt. Der Hütten-Wirt, Jean-Francois, sorgt schoin dafür, dass es genügend einzukaufen gibt. Es gab Spaghetti, Schokolade Wein, Bier, Pasteten, usw.

Die Hütte ist die schönste, die wikr bisher gesehen haben. Sie ist auf Stelzen gebaut und steht wie ein auf dem Kopf stehendes Trapez in der Schlucht. Es gab zwar nur eine kalte Dusche, aber dafür ist der Gasherd einer der modernsten und es gab zum ersten Mal innen auch fliessend heisses Wasser.

Wir wollten zum Essen auch etwas Wein haben, im Gegensatz zu anderen Hütten gab es hier "nur" Flaschenwein, so dass Guy beschloss, Jean-Francois zu einem Gläschen einzuladen.

Er sass dann auch bei uns und trank mit. Jean-Francois ist vielleicht mitte Dreissig, intelligent, spricht auch hervorragend Deutsch. Durch die fehlende Übung, ist der aktive Wortschatz sehr "langsam", aber seine Grammatik bspw. ist perfekt.

Leider ist er auch ein kleiner "Bär", d.h. er ist wirklich zum Kuscheln aber sein Auftreten bspw. gegenüber Frauen, für die er Interesse zeigt, ist einfach etwas ubeholfen. In diesem Zusammenhang erinnert er mich stark an die Trolle der "Scheibenwelt", insbesondere wenn sie verliebt sind.

Der musikalische Abend

Jean-Francois fand uns anscheinend auch sehr nett und lud uns zu einem (oder auch mehrere) Pastis in sein "Büro" ein. Also sassen wir am Abend bei ihm im "Büro" und tranken einen Pastis nachdem anderen. Er ist ein gläubiger Korse, durch und durch. Er erzähl▀te Guy noch vieles, was Guy uns nicht übersetzen sollte... Ein bisschen was haben wir mitbekommen.

Darüberhinaus erfuhren wir auch so, dass die Zelt- oder Refuge-Gebühren gerade mal 20% der GR20-Unterhaltskosten decken. Der Rest wir von der Kommune Corse bezahlt. Proviant wird teilweise mühsam mit Hubschraubern oder noch mühsamer mit Mauleseln hochgebracht. "Und da beschweren sich die Leute, wenn eine Flasche Wein FFR 60 kosten. Wenn der Hubschrauber nur mal abhebt kostet es ca. 455 Übernachtungen!" regt sich Hean-Francois auf.

Er ist ein durch und durch Korse und Kaufmann, aber hinter der harten Schale ruht ein weiches Herz. Als zu später Stunde drei Jugendliche noch an der Hütte ankamen und auch etwas zu essen kaufen wollten, fragte er sie zum Schluss, ob sie je ein Mars, Lion, Twix oder Nuts haben möchten...

Als wir sahen, dass er auch eine Gitarre hat, fragten wir, ob er ein paar Korsische Chansons singen kann, worauf er meinte (als wir beim ersten Pastis waren): "Später vielleicht, jetzt noch nicht."

Und später ging es los... Seine Bürotür war offen, so dass alle Refuge-Besucher mithören konnten, wie er einen Beatles-Song nach dem anderen sang... Es wurde netter und freundlicher, unterbrochen nur durch eine paar Wanderer, die ins Büro kamen und einen Wein oder ein, zwei Bier wollten. Später kamen noch Französische und Korsische Lieder dazu.

Jedenfalls war zum Schluss in der vorher halb-vollen1-Liter-Pastis-Flasche nicht mehr viel drin...


Alle Bilder des Tages / All pictures of the day


Korsika, den 10. September 2001

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